| Chinesisch Tibetische Medizin CTM | |
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Die Heah Medizin |
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Die Wurzeln der tibetischen Medizin reichen weit in die vorchristliche Zeit, in die vedische Medizin zurück. Später kamen hellenische, persisch-arabische und chinesische Einflüsse hinzu. Der daraus entstandene Erfahrungsschatz wurde - immer wieder überprüft und revidiert - bis heute weitgehend erhalten. Während Jahrhunderten haben sich tibetische Ärzte, Mönche und Wissenschafter v.a. um innere und innewohnende Phänomene gekümmert. Körper und Geist waren ihr Arbeitsgebiet, sie suchten nach Heilmitteln für die körperliche Dysbalance und für die geistige Konfusion. Die gleichzeitige Beobachtung und Wahrnehmung bis in den feinsten Bereich lebendiger Abläufe und deren Störungen bilden den Erfahrungsschatz. Die Ausbildung zum tibetischen Arzt dauert normalerweise 20 Jahre, eingeschlossen die Lehre über die Herstellung von Medikamenten. Der tibetische Arzt ist somit auch Apotheker in personam und sucht die Ingredienzen zur Herstellung seiner Pillen selber. Dazu wendet er fünf bis sechs Monate pro Jahr auf. Die übrige Zeit praktiziert er. Die heute tätigen tibetischen Ärzte behandeln bis zu 150 Patienten täglich. Sie sind im Tibet und in Indien dünn gesäht, im übrigen Teil der Welt erst recht. Der enorme Zulauf von Patienten in Italien, Spanien und Brasilien, wo monateweise tibetische Gastärzte praktizieren, beweist das Bedürfnis nach dieser Art von Medizin. Die Diagnostik stützt sich auf die Beurteilung der radialen und ulnaren Pulse derselben Hand, die gleichzeitig mit drei Fingern beider Hände gefühlt werden. Zudem wird die Diagnose jedoch auch intuitiv gestellt unter Berücksichtigung der Anamnese, der Sprache, der Ausdrucksform des Patienten, seiner Körperhaltung, seines Geruchs, seiner versteckten Symptome wie Blockierung durch Angst, Zorn, Eifersucht u.a. Zu solch anspruchsvoller Diagnostik braucht es einen verfeinerten, empfindsamen Geist. Der Geist als Instrument der Wahrnehmung beruht im Wesentlichen auf der Praxis des Buddha, der sehr tiefgründige und tiefgehende Methoden der Selbstheilung gezeigt hat, so dass die Wahrnehmung klar wird, dass jegliche kranke Symptomatik wie in einem Spiegel sich selber demonstriert. Dies bedeutet, dass der Arzt idealerweise eine unverzerrte Wahrnehmung (z.B. durch Sympathie oder Antipathie, Gleichgültigkeit gegenüber dem Patienten) haben und ungestört (z.B. durch Zeitmangel oder eigene Sorgen) sein sollte. Ist die Wahrnehmung klar wie der oben erwähnte Spiegel, so zeigt sich das Negative, Störende, Unruhige als der eigentliche Patient, was wiederum den Patienten als Person überschreitet und z.B. als Lärm oder schädlicher Dreck in unserer Umwelt wahrnehmbar wird. Andererseits macht das Negative wiederum nur einen Teil der Person des Patienten aus. Dynamisch ausgedrückt bedeutet dies, dass negativ und unser eigentlicher Patient ist, was uns krank macht, und positiv - unser eigentliches Heilmittel -, was uns gesund, lebensfroh und schlussendlich angstlos macht. Das Wesentliche der tibetischen Medizin ist, die klaren, ungestörten Teile (buddhistisch: das Buddha-Potential) zu fördern und das Störende wegzulassen. Diese einfache Methode funktioniert im Geist, weniger im Körper. Unterstützt wird diese kommunikative - von Geist zu Geist praktizierte Heilmethode - von sehr präzisen Diätanweisungen und Medikamenten. Die Diätanweisungen beruhen auf der Ansicht, dass drei verschiedene dynamische Energieformen unseren Körper bestimmen. Sie werden mit den uns merkwürdig erscheinenden Ausdrücken Schleim, Galle und Wind bezeichnet. Wenn jeweils zwei dieser Energieformen im Übermass vorhanden sind, kommt es zur körperlichen, eventuell chronischen Krankheit. Eine Balance dieser Energien ist anzustreben. Die Windenergie - 'lung' genannt - ist eine kalte, trockene Energie. Die Gallenenergie ist heiss und feucht. Die Schleimenergie ist kalt und feucht. 'lung' ist verbunden mit Festhalten an Vorstellungen, perseverierendem Denken, Traurigkeit, nicht Loskommen von Erlebtem usw. Nach Angaben von tibetischen Kollegen soll 'lung' in Europa häufig vermehrt sein und zu innerer Kälte, Muskelzittern, rascher Ermüdbarkeit, Kopfschmerzen und eventuell Herzrhythmusstörungen führen. Wenn diese Energie vermehrt ist, sollen zum Beispiel unter anderem keine Tomaten gegessen werden. Auch soll der Patient nie hungrig sein und auf körperliche Ermüdung achten. Medikamente werden zur Erhöhung der inneren Wärme gegeben, zur Beruhigung des Gehirns, welches wir mit unserer Ungeduld und innerer Unruhe schinden. Die Medikamente, von denen es Hunderte gibt, sind wiederum aus Dutzenden bis Hunderten verschiedenen Substanzen zusammengesetzt. Als Autor dieses Artikels bezeichne ich mich als Anfänger, denn ich beschäftige mich seit ca. 12 Jahren nebenbei mit der tibetischen Medizin. Meine Erfahrungen darin habe ich vor allem durch die Freundschaft mit einem tibetischen Lamaarzt gewonnen, Lama Gangchen, der als Halter einer Heilertradition gilt, die bis auf indische Ärzte, die vor 1500 Jahren lebten, zurückgeht. Er ist ein sehr sorgfältiger Mann, der mit grosser Liebe und Geduld vorgeht. Der wichtigste Unterschied zum westlichen Vorgehen ist wahrscheinlich, dass er versucht, den Patienten zunächst psychisch aufzubauen und vermeidet, analytisch festgestellte negative Prägungen zu entblössen. Seine Meinung ist, dass die Beschäftigung mit Negativem wiederum zu negativem Empfinden führt, was der Heilung abträglich ist. Hat der Patient Vertrauen, kann er sich - wie bei uns auch - schnell besser fühlen. Er ist zumindest entspannter, wodurch mancher Schmerz, manche Verkrampfung und Angst sich auflösen. Die Entspannung, verursacht durch zunehmende innere Ruhe und Frieden (tibetisch: Ngalso) ist ein gewaltiges Medikament. Sie kann Heilung auch in Fällen bewirken, die von uns als chronisch angesehen werden. Wenn manchmal nach Jahren der Behandlung das Selbstvertrauen und die Wahrnehmungsfähigkeit des Patienten zugenommen haben, werden zuweilen die negativen Denk- und Fühlmuster des Patienten angetippt, vorsichtig und meist in Form von Gleichnissen. Der Patient lernt dann langsam, sich mit den eigentlichen Wurzeln seines Leidens, mit seinem Hass, dem Zorn, der Eifersucht, dem Neid u.a.m., welche alle Angst erzeugen, auseinanderzusetzen und sie mit den sehr feinen tantrischen Selbstheilungsmethoden aufzulösen. So ist es möglich vollständig gesund zu werden. Als Beispiel hier die selbsterlebte Geschichte eines 60-jährigen Italieners, der an einem generalisierten Ekzem litt, das seit 20 Jahren nach allen Regeln der Kunst erfolglos behandelt worden war; Der Patient kommt nach Mailand zu Lama Gangchen, der diesen über einen Übersetzer anweist, er solle ihm nur zuschauen. Der Lama war gerade damit beschäftigt, die aufgehängten Thangkas, eine Art Heilbilder zurechtzurücken. Der Patient schaute ihm zu, nahm die Haltung des Arztes, die frei von jeglicher Attitüde war, wahr. Anschliessend erhielt er eine Salbe - eine Büchse Nivea-Creme mit zwei Pillen darin, einer roten, der Mamapille, und einer grauen, der Papapille. Die Anweisung lautete, die Pillen mit ein wenig Salbe auf dem Finger zu berühren und diese dann einzureiben. Dabei sollten die Pillen in der Büchse verbleiben. Nach zwei Monaten war der Patient frei vom Ekzem, welches wahrscheinlich auf einem generalisierten Pruritus beruhte. Ich selbst habe einige tibetische Medikamente ausprobiert, v.a. 'lung'- Medikamente. Sie wirken entspannend, es stellt sich ein feines Wärmegefühl im ganzen Körper ein, die oft überlasteten Steuerungen des vegetativen Nervensystems werden gedämpft. Die Erfolgsorgane beruhigen sich. Erfahrungen habe ich bei Patienten mit chronischer Hepatitis C - Transaminasen normalisieren sich nach zwei Monaten. Bei Angstzuständen und sogar bei Wahnvorstellungen war ich von der guten Wirkung dieser natürlichen Medizin überrascht. Zusammenfassend lässt sich die tibetische Medizin so umschreiben: Auf körperlicher und immaterieller Ebene, im Groben und Feinen wird versucht, den Patienten zu stützen, ihn zu halten und ihm dadurch die Selbstheilung zu ermöglichen. Tibet - schon seit Jahrhunderten als 'Land der Medizin' bezeichnet - ist ein Schatzhaus an überlieferten, gesammelten, geprüften und sorgfältig tradierten Methoden zur Heilung von Geist und Körper. Die tibetische Kultur trägt eine natürliche Medizin und eine eigentliche 'art de vivre' in sich, deren Erhaltung und Weitertragen sich lohnen wird. Ruedi Schneider
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